Liebe Tauchfreunde,

zunächst einmal wünsche ich Ihnen allen noch ein frohes und vor allem gesundes neues Jahr. Ich hoffe, Sie sind gut in 2017 gestartet?!

An der Stelle möchte einmal die Gelegenheit nutzen und mich für Ihr generelles Interesse und die zahlreichen Rückmeldungen bedanken, die ich jedes Mal nach meinem Reiseberichts-Newsletter erhalte. Ganz ehrlich, es überwältigt mich immer wieder aufs Neue. Knapp über 14.000 Leser haben mittlerweile meinen Reiseberichts-Newsletter abonniert, was wirklich eine unglaubliche Zahl ist. Vielen herzlichen Dank dafür!

Nun aber zu meiner letzten Reise, die mich im Dezember nach Südafrika verschlagen hat. Ein Zielgebiet, über das man aktuell in der Tauchpresse recht viel liest. Kein Wunder, gilt es doch als eines der besten Großfischgebiete der Welt! Ich war vorher bereits drei Mal in Südafrika, allerdings nie zum Tauchen. Auch das zeigt bereits die Vielfältigkeit dieses Landes…

SÜDAFRIKA

Eine Reise im Dezember ist natürlich eine großartige Sache, denn nachdem Schnee rundum Weihnachten mittlerweile unwahrscheinlicher ist als sommerliche Temperaturen im Februar, ist es hier in Deutschland klimatisch nur bedingt reizvoll. Auf der anderen Seite mag ich die Vorweihnachtszeit. Ich habe normalerweise alle Geschenke früh beisammen (der Trick ist während des Jahres in Gesprächen genau hinzuhören) und kann so die Lebkuchen, Plätzchen und Marzipankartoffeln umso mehr genießen. Was ich sagen will, im Dezember zu verreisen fällt mir manchmal gar nicht so leicht. Aber die Aussicht auf Südafrika war dann doch eine einfache Entscheidung: raus aus dem dunkelgrauen Nass.

Auf Südafrika gekommen bin ich übrigens, nachdem ich in den letzten drei Monaten aus drei unterschiedlichen Richtungen jeweils klare Empfehlungen erhalten habe. Untermalt wurden diese Empfehlungen von Videos und bewegte Bilder sprechen eine klare Sprache: ein Haigetümmel, ein vorbeziehender Wal oder eine Schule Hammerhaie in einem hochauflösenden Video wecken gewisse Sehnsüchte. Nachdem ich einen großartigen Zusammenschnitt eines Schweizers, den ich in Cuba getroffen habe, gesehen hatte, war klar: ich will nach Südafrika! Ich wollte all das, was ich in diesem Video gesehen hatte, auch sehen. Unbedingt. Nach meinen Haierfahrungen in diesem Jahr im August in den Jardines de la Reina in Cuba bin ich irgendwie auf den Geschmack gekommen. Das Tauchen mit Haien ist einfach sehr reizvoll. Ich mag das Rifftauchen genauso, schließlich bin ich damit taucherisch groß geworden, aber wenn man, wie in den Jardines de la Reina, den Haien bis auf einen halben Meter ins Auge sehen kann, vergisst man das so schnell nicht.

Bei meinen Recherchen war schnell klar, welche zwei Gebiete ich mir ansehen muss. Das Riff Aliwal Shoal in der Nähe des Ortes Umkomaas und das Riffplateau Protea Banks vor dem Ort Shelly Beach. Beides klangvolle Namen. Ich kannte sie beide bereits aus diversen Reportagen und wollte sie nun unbedingt selber kennen lernen.

Die Verbindung nach Südafrika ist locker. Zuerst ging es non-stop mit der South African Airways von München nach Johannesburg, wo die Hitze mich fast wieder zurück ins Flugzeug drückt. So „gut“ war die Flugzeugkabine klimatisiert. Das Schöne an Südafrika ist, man hat im Winter nur eine Stunde Zeitverschiebung, im Sommer sogar gar keine. Das macht das Reisen leicht – auch für eine kurze Reisedauer! In dem Fall ging mein Flug abends, so dass ich morgens gelandet bin. Das ist angenehm und komfortabel. Mein Weiterflug nach Durban ist bemerkenswert, denn der Chefsteward singt förmlich die Sicherheitshinweise. Zudem stellt er alle Crewmitglieder ziemlich persönlich und detailliert vor, was ich so noch nie erlebt habe. Auch nicht schlecht, wenn man weiß, dass das liebste Hobby der Stewardess ihr botanischer Garten ist. Und er betont immer wieder, dass wir zum King Shaka Airport fliegen, was viele Reisende doch sichtlich verwirrt mit einem fragenden Blick quittieren. Wer bitte ist King Shaka? Eine spätere Recherche ergibt, King Shaka war ein bedeutender König der Zulu. Alles klar, wieder was gelernt. Wir sind aber natürlich richtig, so heißt ganz einfach der Flughafen von Durban. Nach diesem kurzen Weiterflug nach Durban habe ich allerdings das Gefühl, dass ich nach München zurückgekehrt bin. Es regnet heftig und ist leider auch entsprechend kälter als in Johannesburg. Nicht gerade ein vielversprechender Auftakt.

Durban – zweimal die Strandmeile und das vielleicht schöne WM-Stadion von Südafrika

Als nächstes hole ich mir meinen Mietwagen, was erfreulich unkompliziert verläuft. Ich hechte schnell im Regen zu meinem Fahrzeug und mache mich mit der ungewohnten Fahrerseite im Auto vertraut. In Südafrika herrscht nämlich Linksverkehr! Regen plus Linksverkehr plus die manuelle Gangschaltung auf der falschen Seite – ich bin doch ein wenig stolz auf mich selbst, dass ich eigentlich erstaunlich locker in Umkomaas, meiner ersten Station, ankomme. Als ich durch den Ort fahre, werde ich sogar ein bisschen übermütig und markiere den maximal lässigen Autofahrer – bis ich an der nächsten Kreuzung dann doch wieder den Scheibenwischer anstelle des Blinkers betätige. Eine erfrischend deutliche Nachricht, dass ich noch nicht so weit bin.

UMKOMAAS / ALIWAL SHOAL – UMKMAAS LODGE & ALIWAL SHOAL SCUBA

Kennen Sie das, wenn man schon so viel von einem Zielgebiet gehört hat, ist es ein besonderes Gefühl, wenn man tatsächlich vor Ort ist?! In New York ging es mir so. In Paris ebenfalls. Auf Yap war ich komplett ehrfürchtig. Das Wrack der Thistlegorm habe ich mit viel Stolz in mein Logbuch eingetragen. Und jetzt bin ich in der Region rund um Durban, welche ich schon seit vielen Jahren ganz eindeutig mit Großfischtauchen verbinde. Yes.
Als Unterkunft habe ich mir die Umkomaas Lodge, in Verbindung mit der Tauchbasis Aliwal Shoal Scuba, herausgesucht, welches das einzige Hotel im Ort direkt am Meer ist. Mein Zimmerschlüsselbund mit WLAN-Code, diversen Fischanhängern und mehreren Schlüsseln könnte der eines Hausmeisters sein, was ich aber irgendwie sympathisch finde. Mein Zimmer im ersten Stock schaut tatsächlich so was von aufs Meer. Es fühlt sich an, als ob das Wasser direkt unter mir beginnt. Großartig. Die Möbel in meinem Zimmer sind sehr praktisch und stylisch und ich vermute in einem Berliner Hipsterladen würden sie gutes Geld einbringen. Die komplette Anlage versprüht nicht gerade das Ambiente eines Wellness-Resorts, sondern hier steht ganz klar Tauchen drauf. Echtes, nasses, raues Tauchen. Wer etwas anderes sucht, ist hier falsch. Das Haus ist offensichtlich etwas älter, hat aber alles was ein echtes Tauchhotel braucht. Denn wie gesagt, genau darauf wird hier wert gelegt. Viel Platz für die Tauchbasis, ein tolles Restaurant mit Terrasse und natürlich Blick aufs Meer, sowie eben die zwölf Hotelzimmer.

Die Strände in dieser Gegend sind endlos, was dem Gesamtbild eine großartige Note verleiht. Empfohlen wurde mir die Tauchbasis im Übrigen von einem Journalisten, der mich noch direkt von vor Ort über dieses klasse Ziel informiert hat. Also dann, soll der Spaß beginnen.

Die Umkomaas Lodge mit der Tauchbasis Aliwal Shoal Scuba

Als ich mich in der Tauchbasis nach dem Treffpunkt und der Zeit erkundige, muss ich etwas irritiert nachfragen. 6 Uhr morgens? Wirklich? Hmm. Wie gesagt, echtes, nasses, raues Tauchen. Am nächsten Morgen um 5.45 Uhr regnet es. Da fällt das Aufstehen gleich viel leichter. Oder auch nicht. Je nachdem. Aufgewacht bin ich allerdings bereits um 4 Uhr, denn um diese Zeit wird es hier zu dieser Jahreszeit bereits hell. Und mit hell meine ich taghell. Entsprechend bin ich im Bett hochgeschreckt, weil ich dachte ich habe richtig dick verschlafen. Dennoch, lustiges Gefühl, so um kurz vor 6 Uhr morgens im Regen mit Flipflops zur Tauchbasis zu schlappen. Was folgt ist ein ausführliches Briefing, zunächst über den Tauchablauf, dann über die Haie der Region und dann über das Tauchen selber. Anscheinend läuft das Ganze hier ein wenig anders ab, als in der Karibik. Kein Pier oder Steg mit großem, bequemen Tauchboot, auf dem ein kuschliges Handtuch und ein gekühlter Drink auf mich wartet. Hier lädt man das Boot am Strand ab und schiebt es von dort ins Wasser. Alles klar, ich schaue mir das an. Wir springen alle – bereits im Tauchanzug – auf eine Sitzfläche auf einem Transporter, der das Tauchboot auf einem Anhänger mit sich zieht. Am Strand angekommen beratschlagen sich Kapitän und Tauchguides wo und wie das Ganze jetzt abläuft. Für mich ist das alles komplett ungewohnt, aber ich bin gespannt. Anscheinend sind die Bedingungen heute gut, denn das Schlauchboot kann vom Anhänger in den Fluss geschoben werden. Kein Geschiebe am Strand. Glück gehabt. Alle krabbeln aufs Boot auf und es werden Schwimmwesten verteilt. Jetzt beginnt der lustige Teil. Wir sollen alle unsere Füße in am Boden befestigte Schlaufen stecken, uns auf den Rand des Schlauchbootes setzen und uns „richtig gut“ an weiteren Schlaufen am Bootsrand festhalten. Denn, wir müssen zwischen Brückenpfeilern hindurch über die brandenden Wellen aufs Meer hinaus fahren. Wenn man das das erste Mal hört, die Szenerie vor sich sieht und der Kapitän dann den Gashebel voll umlegt, ist das schon ein kribbliges Gefühl. Das Boot beschleunigt richtig stark heraus, die beiden 140 PS Motoren leisten ganze Arbeit. Die ersten Wellen unter der Brücke überspringen wir locker, aber die Wellen im Meer sehen deutlich größer aus. Man sieht wie alle nochmal den Halt überprüfen und voll zupacken, um sicher zu sitzen. Das Schlauchboot wippt und federt ordentlich mit. Der Kapitän zieht nochmal an und wir brettern über die Wellen hinweg. Ein paar Schaukler, aber das sah schlimmer aus, als es dann letztlich war. Trotzdem ein spektakulärer Start in diesen Tauchtag.

Das Tauchboot der Tauchbasis Aliwal Shoal Scuba, Fluss Umkhomazi, Ufer mit Brandungswellen

Unser Plan sieht zwei Rifftauchgänge vor, quasi um sich locker hinein zu fühlen. Apropos fühlen, das Wasser hat schlanke 22 Grad, was sich unter Wasser allerdings deutlich kühler anfühlt. Kaum zu glauben, dass das im Sommer an meinem heimischen See eine angenehme Badetemperatur sein soll. Das Briefing der Tauchbasis ist wirklich klasse, alles wird besprochen, jeder weiß Bescheid. Das Tauchboot selbst ist für diese Bedingungen hier ideal, es gibt Ablagebereiche und alle Tauchflaschen sind gut gesichert. Die Buddyteams werden eingeteilt und hier merkt man bereits, dass das Tauchen durchaus etwas anspruchsvoller ist. Jeder Gast bekommt einen Tauchguide. Ich vermute das ist nicht immer so, speziell zur Hochsaison, aber es sind einige angehende Divemaster dabei, die die Tauchgänge derzeit begleiten. Eine tolle Sache. Zudem muss jeder Taucher mit einer Boje ausgerüstet sein, denn die Strömung ist recht stark. Hinzu kommt eine mittelprächtige Sicht, aber wie bereits festgestellt sind wir hier nicht in der Karibik. Als Gruppe sollen wir eng zusammen bleiben, was aber kein Problem ist, denn es wird ein Drifttauchgang sein, sprich wir lassen uns einfach von der Strömung treiben. Unser erster „Stopp“ ist ein dickes Loch im Riff, das aussieht, als ob jemand ein Stück Fels aus dem Boden herausgestanzt hätte. Es ist durchsetzt mit Spalten und Überhängen, was vielversprechend wirkt. Mein Tauchbuddy dreht eine erste Runde und signalisiert mir, dass ich einen der dunklen Bereiche mal genauer ins Visier nehmen solle. Meinen fragenden Blick erwidert sie mit einer „Mach schon“-Geste. Also lasse ich mich vor der gesamten Gruppe in der ziehenden Strömung, eher mittelmäßig gelungen, absinken, um als erster die Überhänge zu erkunden. Und siehe da: ich erwische gleich mal einen Sandtigerhai, einen so genannten Raggie. Zur Informationen, Raggie leitet sich von dem englischen Namen Ragged Tooth Shark ab. Ehrlich gesagt sehen die Raggies mit ihren langen, herausstehenden Zähnen schon sehr gefährlich aus. In den verschiedenen Reportagen habe ich aber gelesen, dass sie das wohl dennoch nicht sind. Trotzdem, die Situation ist für mich ein spannender Auftakt, denn um ehrlich zu sein: die Zähne fallen einem sofort auf. Der Hai bewegt sich ganz entspannt in dieser doch recht beengten Situation, denn schließlich befindet sich unter ihm Sand, sowie hinter und über ihm nur Felsen. Schließlich beginnt er sich zu drehen, und zwar in meine Richtung. Langsam. Aber doch sicher. Mir bleibt eigentlich gar nichts anderes übrig als dumm zu schauen und so kommt es zu dem unvermeidlichen Auge-in-Auge-Moment. Wobei es in der Situation Zahn-in-Auge besser beschreiben würde, denn nochmal, die Zähne des Sandtigerhais sind wirklich riesig. Er dreht sich aber entspannt weiter und stoppt genau in der Situation, in der er vorher schon war, nur eben umgedreht. Wie als ob man sich im Schlaf von der rechten auf die linke Schulter dreht. Erfreulicherweise konnte ich diese Situation filmen und wer mag, kann sie sich hier ansehen. Immer wieder faszinierend ist wie die GoPro die Distanz vergrößert. Die Schnauze des Hais war nämlich maximal 50 cm von mir entfernt, auf dem Video allerdings, wirkt es doch etwas weiter weg. Von der Magie des Moments immer noch völlig hypnotisiert, drehe ich mich um und überlasse dem nächsten Taucher diesen Platz in der ersten Reihe des Haikinos.

Um ehrlich zu sein, dieser Beginn überrascht mich doch etwas, denn das ging ja fast zu leicht. Rein ins Wasser, runter, überragende Haibegegnung. Mal sehen, was da noch kommen soll. Erfreulicherweise verläuft der weitere Tauchgang ebenso unterhaltsam, was bemerkenswert ist, denn das Riff an sich, gibt auf den ersten Blick nur sehr wenig her. Es erinnert mich ein bisschen an das Mittelmeer, denn der Bewuchs ist minimal. Nackter Fels oder schimmernde Algen, viel mehr wird in dieser Kategorie nicht geboten. Aber dennoch, es gibt immer wieder Durchbrüche, kleinere Torbögen, Höhlen und Spalten, in die es sich lohnt einen Blick zu werfen. Es ist fast ein wenig komisch, wie zuverlässig ich etwas besondere entdecke, sobald ich einmal genauer hinschaue. Buddelnde Rochen, Nemos in einem Anemonenwald, Fischschwärme, die sich in der Strömung wiegen, Nacktschnecken und und und. Außerdem hat man seinen Blick immer ins tiefe Blau gerichtet, denn Haie könnten quasi überall auftauchen. Besonders lustig ist die Erfahrung mit einem gefleckten Riesenzackenbarsch, genannt Potato Bass. Ein passender Ausdruck, denn es handelt sich um echte Brummer, die wie spielende Hunde, um die Taucher herumschwimmen. Sie versuchen aus irgendeinem Grund die Luftblasen zu essen, was sich bei der großen Auswahl als relativ schwierig herausstellt. Beim Auftauchen begegnen wir dann tatsächlich noch einem Schwarzspitzen-Hochseehai, der kommt und geht. Kommt und geht. Und nochmal kommt und wieder geht. Unfassbar. Einfach so. Ein Drei-Meter-Brocken, der den Tauchgang auf ein richtig hohes Niveau hebt. Alles in allem ein für mich völlig ungewohnter Tauchgang, der aber wirklich richtig viel zu bieten hatte. Zurück auf dem Boot schaukelt es ordentlich, aber ich habe den Eindruck, dass unser Kapitän ein richtig guter ist. Die Art und Weise wie er unser Boot durch die Wellen manövriert, ist ausgesprochen souverän. Dennoch, ein Südkoreaner verteilt sein gestern Abend selbstgekochtes und nach eigener Aussage sehr leckeres Reisgericht mit einem ordentlich Schwall im Meer. Erstaunlicherweise lacht er dabei und die Crew verteilt auch liebevoll Bonbons an ihn. Tauchen in Südafrika macht eben Spaß. An Bord ist eine Open-Water-Schülerin aus Schottland, die von ihren Eindrücken sichtlich begeistert ist. Meinen Respekt hat sie sicher, denn wer hier das Tauchen lernt, wird danach nur noch easy dives erleben.

Schwarzspitzen-Hochseehai, „Raggies“ von unten und ein Rochen am Aliwal Shoal – Bilder von Timo Dersch ©

Der Ort Umkomaas ist ein echtes Taucherdorf. Die Betonung liegt auf Dorf. Es gibt nur eine Handvoll kleiner Straßen, dafür aber jede Menge Werbung für Haitauchgänge. Dazu findet man einladende Restaurants mit schönen Terrassen und mehrere Tauchschulen, die anscheinend alle Spezialisten für Käfigtauchgänge sind. Besonders lustig finde ich das Zentrum von Umkomaas, in dem sich an einer Kreuzung ein Spar-Supermarkt, ein Heimwerker-Baumarkt und ein Kentucky Fried Chicken-Restaurant befinden!?! Dieser Teil passt so gar nicht in dieses verschlafene Nest, aber die Einwohner finden es anscheinend prima, so viel wie hier los ist.

Mir hat es aber tatsächlich besonders das Restaurant in der Umkomaas Lodge selbst angetan. Es gibt ja immer so einen Wohlfühl-Faktor bei einem Restaurant und den empfinde ich im „Waves“ als besonders hoch. Im Hintergrund läuft dezente und dennoch stimmungsfördernde 70er-Jahre Musik. Allerdings nicht die abgenudelte „It’s raining man“-Variante, sondern die gute, stilvolle Version, wie zum Beispiel „Starman“ von David Bowie. Die Kellner sind alle unfassbar aufmerksam und hilfsbereit, was ich tatsächlich bei jedem Besuch bewundernd feststelle. Auf der Tageskarte gibt es erstaunlicherweise auch einen Eisbein-Sauerkraut-Burger, was gefühlt nicht für das Restaurant spricht. In Südafrika ist das aber anscheinend ein populäres Gericht, denn ich finde es ebenso in vielen anderen Restaurants auf der Karte. Na gut, man muss nicht alles verstehen. Besonders die Milchshakes und ein Shrimps-Curry sind weltklasse, wobei ich jedes Mal vorher ausführliche Empfehlungen von der Crew erhalte.

Zwei Restaurants in Umkomaas und das Restaurant „Waves“ direkt im Hotel Umkomaas Lodge

SHELLY BEACH / PROTEA BANKS

Für mich geht es nach einigen tollen Tauchtagen am Aliwal Shoal erst einmal weiter in das zweite bekannte Tauchgebiet Südafrikas, und zwar zu den dem Ort Shelly Beach vorgelagerten Protea Banks. Ich werde nochmal nach Umkomaas für einen besonderen Tauchgang zurückkehren, aber aufgrund der Buchungssituationen in den Hotels, muss ich meine Aufenthalte aufteilen. Die Protea Banks sind in Deutschland eigentlich noch bekannter als die Tauchgebiete am Aliwal Shoal, was aber vermutlich darauf zurückzuführen ist, dass es in Shelly Beach eine deutsche Tauchstation gibt. Ich nehme es gleich vorweg, ich habe mich für eine andere Tauchbasis entschieden, was einzig und alleine an den erhaltenen Empfehlungen für eben jene andere Tauchbasis liegt. Die Tauchstation meiner Wahl heißt Adventure Aqua Planet und steht unter der Leitung der Südafrikanerin Kym Pollard, die seit 1990 in Shelly Beach lebt und nun schon seit 1997 eine Tauchbasis dort betreibt. Bei unserer ersten Begegnung sagte sie, sie könnte genauso gut überall sonst leben, aber sie will eben hier leben, denn nirgends gefällt es ihr so gut wie in Shelly Beach. Ich finde das sind großartige Voraussetzungen. Zudem ist ihre Tauchbasis die einzige mit einer echten Tauchbasis. Das klingt verwirrend, aber tatsächlich ist es so, dass die meisten Tauchbasen in Shelly Beach lediglich über ein kleines Verkaufszelt am Hafen oder maximal einen garagenähnlichen Lagerraum verfügen. Das soll gar nicht wertend klingen, ich habe nur einfach ein gutes Gefühl, wenn ich bei einer Tauchbasis bin, bei der ich nach dem Tauchen auch noch entspannt duschen, auf einer Terrasse einen Kaffee trinken und mein Logbuch gemütlich ausfüllen kann. Das ist selbstverständlich komplett subjektiv, schließlich ist die Hauptsprache auf der Basis dafür Englisch, aber ich bin mit meiner Wahl sehr zufrieden. In meiner Tauchgruppe sind zwei Brasilianer, eine Französin, ein Australier, eine Südafrikanerin, ein Amerikaner und zwei Deutsche. Eine super Kombination, denn wir haben alle zusammen richtig viel Spaß mit unserer Fünf-Kontinente-Mischung. Vor allem springen dabei aber wieder viele spannende Empfehlungen heraus, die ich so auf dem deutschen Markt noch nicht kannte.

Shelly Beach bietet einen enormen Kontrast zu Umkomaas. Es ist gefühlt eine Stadt, auch wenn der Ort nicht wirklich groß ist. Es gibt Ampeln die nerven, Taxis, die unvermittelt auf der Straße anhalten, und zu Stoßzeiten auch mal etwas mehr Verkehr. Aufgebaut ist Shelly Beach wie eine Westernstadt: eine große Hauptstraße, an der sich alle Geschäfte befinden, und einige kleinere Wege, die alle zu der einen großen Straße führen. Dazu verfügt Shelly Beach über zwei große Malls, die tatsächlich ein gutes Shopping-Erlebnis bieten. Das Ganze wirkt aber nicht unangenehm, im Gegenteil, ich genieße die Annehmlichkeiten. Die beste Pizza beispielsweise gibt es in einem kleinen Restaurant, direkt neben einem Spar-Supermarkt, das vermutlich mehr Umsatz mit Bestellungen macht, als mit dem eigentlichen Restaurantbetrieb. Es gibt nämlich nur vier Tische. Die Pizza ist aber weltklasse! Richtig stylisch und atmosphärisch ist das Restaurant C-Bali, welches sich direkt an einem der vielen kilometerlangen Strandbereiche von Shelly Beach befindet. Auf der schönen Terrasse kann man von großartigen Burgern bis hin zu asiatischer Küche alles bekommen.

Die Tauchbasis Adventure Aqua Planet und eine der beiden Malls in Shelly Beach

Auch hier klingeln erstmal meine Ohren, als ich den Tauchablauf für den nächsten Tag erfahre. Treffpunkt ist 5 Uhr morgens. Da komme ich mit meiner karibischen Einstellung, die mich ausschlafen und gemütlich um 10 Uhr tauchen lässt, natürlich nicht besonders weit. Kym ist diese Reaktion aber offensichtlich gewohnt, denn sie motiviert mich schnell mit der Information, dass man am frühen Morgen einfach die besten Chancen auf die Haie hat. Zudem wird am Nachmittag der Wind stärker, so dass man mit dem Tauchboot quasi nicht mehr über die Wellen kommt. Ich bin schnell überzeugt und gehe eben entsprechend früher ins Bett. Die Protea Bank. Ich habe so viel von diesem Tauchgebiet gehört und jetzt bin ich da. Großfischtauchen.

Als ob ich einen inneren Wecker hätte, wache ich wieder um 4 Uhr morgens auf. Das Team meines ausgesprochen schönen Hotels Tropical Beach, welches an einem der Seitenwege von Shelly Beach direkt am Strand liegt, hat mir ein tolles Frühstück auf einem Tablett ins Zimmer gestellt und so beschließe ich dies auszunutzen und gut gestärkt in den Tauchtag zu starten.

Das Hotel Tropical Beach – Zimmerbeispiel, Strand und Pool

Alle Taucher sind pünktlich an der Tauchbasis und wie schon in Umkomaas geht es per Transporter und Anhänger an den Strand. Hier ist der Strand aber tatsächlich wie ein kommerzieller Hafen mit Tower und allem was dazu gehört. Es herrscht ordentlich Betrieb, wobei überraschenderweise nur wenige von den Booten zum Tauchen herausfahren. Es gibt viele Schnorcheltouren, Boote, die mit Schulkindern einfach nur über die Wellen springen wollen, und wie überall in Südafrika die bekannten Cage-Diver, sprich Käfigtaucher.

Als wir an der Reihe sind, wird klar, dass man hier direkt eingebunden wird. Charmant formuliert. Sprich, alle Taucher dürfen anpacken, um das Boot ins Wasser zu hieven. Der Kapitän gibt klare Kommandos, damit alle auch rechtzeitig ins Boot springen, sobald das Boot einmal im Wasser ist. Das Prinzip danach ist das gleiche wie in Umkomaas: einhaken, festhalten und ab geht die wilde Fahrt direkt über die Wellen hinaus ins offene Meer.

Die Protea Banks befinden sich ca. 7 km vor Shelly Beach und sind ein langgezogenes Saumriff. Bei einer Länge von ungefähr 6 km und einer Breite von nur 800 m ist dieses Riffplateau 27 m bis 45 m tief. Kombiniert mit der auch hier herrschenden Strömung und einer wiederum eher knapp bemessenen Sicht, ergibt sich auch hier anspruchsvolles Tauchen. Entsprechend sollte man mindestens ein zertifizierter Advanced Taucher sein. Das ebenfalls ausführliche Briefing, klärt alle Fragen, was ich sehr sehr gut finde.

Der Hafenbereich von Shelly Beach

Die Protea Banks haben ganz unterschiedliche Saisonzeiten, zu denen man unterschiedliche Haie sehen kann. Wir haben auf unserer Homepage eine Übersicht, wann man welche Haie mit welcher Wahrscheinlichkeit sehen kann – eine praktische Sache. Jetzt zu meiner Zeit im Dezember gibt es vermehrt Thunfische, die wiederum diverse Haie anziehen. Ich bin demnach zu einer guten Zeit vor Ort. Mal sehen.

Als wir zum ersten Tauchgang vom Bootsrand ins Wasser kippen, bin ich unfassbar aufgeregt. Was erwartet mich? Wie ist die Strömung? Wie ist die Sicht? Spannend. Wir tauchen hinab und es dauert eine gewisse Zeit, bis ich den Grund sehe, aber wir kommen diesem doch recht nahe. Ich höre recht schnell ein Quieken und nachdem ich die Augen stark zusammenkneife, kann ich irgendwie die Umrisse eines Hais in der Entfernung erkennen. Anscheinend zwei Hammerhaie. Ich finde aber das zählt nicht, denn ich möchte die Haie auch wirklich sehen und nicht nur erahnen. Schade, aber weiter geht es.

Als der Grund in Sichtweite gerät, zeigt der Tauchguide nach unten. Und tatsächlich, am Boden bewegt sich etwas. Aber was ist das? Ich habe so eine Form bei einem Hai noch nie gesehen. Es handelt sich um Gitarrenhaie, die außergewöhnlich elegant über den Boden schweben. Die Körperform von der Schnauze bis hin zu Seitenflossen erinnert doch sehr an ein Kampfflugzeug, was auch von der Geschmeidigkeit, mit der sie über den Grund gleiten, zusammenpasst. Ich persönlich würde sie demnach auch nicht Gitarren-, sondern Flugzeughai nennen. In jedem Fall eine ganz außergewöhnliche Begegnung. Bei genauerem Hinsehe erkenne ich, dass es sogar richtig viele sind. Ich schätze mal 15 Stück. Ich muss leider schon wieder aufsteigen, denn ich will nicht die Gruppe sprengen, nur weil ich wegen meiner Tiefe früher auftauchen muss. Wir pendeln uns auf 20 bis 25 m ein und schauen einfach nur ins blaue Wasser. Eine komische Situation, denn man meint tatsächlich immer wieder, dass man etwas sieht. Einen Schatten oder einen grauen Fleck. Andauernd zeigt irgendwer in irgendeine Richtung. So richtig sehen kann ich aber nichts. Blöd. Es vergehen 20 Minuten im kalten Wasser bis aus dem Nichts ganz plötzlich ein 3 Meter Bullenhai unsere Gruppe teilt. Der Unterschied zu den Schwarzspitzen-Hochseehaien ist relativ offensichtlich, und zwar die Form der Schnauze. Bei einem Bullenhai ist sie rund, bei einem Schwarzspitzen-Hochseehai ist sie spitz. Dazu ist der Körper bei einem Bullenhai doch ziemlich bullig und nicht stromlinienförmig schlank. Er schwimmt einmal durch uns hindurch, dreht noch eine halbe Schleife und weg ist er. Ich muss den Kopf schütteln, denn es ist einfach verrückt, in welch kurzer Zeit sich alles während diesem Tauchgang ändert. Auf einmal bin ich wieder voll da und aufmerksam. Und das lohnt sich, denn es dauert keine weiteren fünf Minuten, da stattet ein Schwarzspitzen-Hochseehai unserer Gruppe einen Besuch ab. Zackig und kraftvoll schnellt er an der Gruppe vorbei, verschwindet kurz, kommt aber gleich wieder zurück und dreht ein paar Runden. Diese präzisen Bewegungen sind wirklich faszinierend. Ein toller Tauchgang!

Zurück im Hafen laden wir einen Teil der Gruppe ab und starten direkt wieder zum zweiten Tauchgang. Wer will, muss also nicht zwei Tauchgänge machen. Kym sagt, vielen Tauchern ist genau das wichtig. Mir nicht, ich will wieder raus. Haie gucken.

Wir tauchen ab und ich bin maximal motiviert Haie zu sichten. Wir gehen dieses Mal nicht so tief, weshalb ich den Grund gar nicht erst zu sehen bekomme. Wir beschränken uns nur auf das Blauwasser, um die Chance auf Haibegegnungen zu erhöhen. Soll mir Recht sein. Mein Blick wandert umher, denn ich möchte meine rechte Seite so gut es geht abdecken. Aber es kommt nichts. Gar nichts. Den ganzen Tauchgang nicht. Knapp eine Stunde lang kaltes, blaues Wasser. Genau das schreibe ich auch so in mein Logbuch. Zurück an Bord des Tauchboots bin ich doch sichtlich enttäuscht und ich vermute mal die Crew merkt das. Wenigstens bekomme ich einen Lollie mit verstörend künstlicher Farbe, aber ich greife dennoch zu. Genau wie die Farbe ist der Geschmack nicht wirklich eindeutig. Könnte Waldmeister sein. Oder auch Ananas.

Zurück an der Tauchbasis entdecke ich eine Tafel, die an die Eingangstür gestellt wurde, um die Sichtungen vom Vortag zu beschreiben: vier Hammerhaischulen, 10 Gitarrenhaie, Delfine, Bullenhaie und Hochseehaie.

Das brasilianische Pärchen, welches den zweiten Tauchgang ausgelassen hat, nickt begeistert und erzählt mir wie toll es gestern war. Das klingt nach meinem zweiten Tauchgang natürlich ein bisschen wie Hohn, aber was solls, der erste Tauchgang war eigentlich sehr gut. Wollen wir mal demütig und bescheiden bleiben.

Das Tauchen an den Protea Banks – Bullenhai, zweimal Gitarrenhai und noch ein Bullenhai – 3 x Bilder von Daniel Brinckmann ©

Am nächsten Tag starten wir wieder um 5 Uhr morgens, wieder das gleiche Spiel. Die Sonne scheint und ich habe über Nacht meinen kompletten Optimismus zurückgewonnen. Ich mache Späße an Bord des Tauchbootes und habe richtig Bock. Sogar meinen Ersatzakku leihe ich einem anderen Taucher – ich brauche einfach gutes Karma. Das Meer ist erstaunlich ruhig. Um nicht zu sagen glatt. Es ist als ob eine graue Schicht Wackelpudding auf dem Wasser liegt. Ich bin wirklich äußerst gespannt auf diesen Tauchgang. Ich bin bereit für legendäre Momente. Rein ins Wasser und Augen auf. Adrenalin. Ich möchte wieder tiefer gehen, um hoffentlich tolle Aufnahmen der Gitarrenhaie zu bekommen. Am Grund angekommen, begegnet mir direkt ein Adlerrochen, groß und ganz ruhig. Ganz nah. Und zutraulich. Wunderschön. Direkt danach sehe ich einen Bullenhai. Und noch einen. Und noch einen. Ich weiß gar nicht, wohin ich als erstes filmen soll. Beim Filmen treibe ich durch die Strömung quasi in die Gitarrenhaie am Grund hinein. Aus der Nähe sehen sie noch faszinierender aus, auch wenn sie eigentlich relativ klein sind.

Danach versuche ich mich nach so vielen Eindrücken kurz zu Sammeln und schwimme wieder in die Gruppe, denn man muss wirklich schauen, dass man beisammen bleibt. Ich flankiere die rechte Seite und schließlich blitzt etwas Silbernes auf meiner Seite auf. Silber wäre gut, aber war da wirklich etwas? Ich signalisiere dem Tauchguide meinen Wunsch nach rechts auszubrechen und er gibt mir das Ok. Von da an geht es ganz schnell. Wie hinter einem unsichtbaren Vorhang, tauchen auf einmal unzählige von Hammerhaien vor mir auf. Hammerhaie! Nicht ganz nah, allerdings trotzdem klar und deutlich. Hammerhaie! Sie sind scheu und verschwinden relativ schnell im matten Blaugrau, aber ich habe sie wirklich gesehen. Hammerhaie! Das erste Mal überhaupt! Unfassbar, was für ein Glück. Ich bin komplett überwältigt und grinse in meinen Atemregler hinein.

Wieder zurück in der Gruppe zwinkert mir unser Tauchguide einäugig durch seine Maske zu und überlässt mir meinen angestammten, rechten Flügel. Erneut sehe ich einen Schatten. Das gleiche Prozedere nochmal, nur dieses Mal gebe ich etwas mehr Gas. Habe ich nochmal das ganz große Glück?! Noch ehe ich diese gedankliche Frage vollenden kann, bin ich ganz unvermittelt mittendrin. Sie fliegen an mir vorbei. Hunderte. Hammerhaie. Vor lauter Hektik verchecke ich die Kamera komplett und mache ein paar Selfies und Videos von meinen Füßen. Irgendwie sortiere ich mich aber doch noch und bekomme ein paar ordentliche Aufnahmen hin. Wahnsinn!!! Ein Hammerhai zieht direkt an mir vorbei und ich kann ihn ganz genau beobachten. Die wendigen Bewegungen dieses einzigartigen Körpers. Sein außergewöhnlicher Hammerkopf. Und ich kann ihm wirklich richtig in die Augen schauen. Naja, besser gesagt in ein Auge. Für mich ist das Magie. Denn direkt nach dem einen, folgt ein weiterer Hammerhai. Nicht so nah, aber es sind so viele, dass ich tatsächlich komplett von Hammerhaien umgeben bin. In einem Kinofilm wäre die Musik jetzt auf die maximale Lautstärke angeschwollen, um die Kraft dieses Moments zu untermalen. Als die komplette Schule an mir vorbei gezogen ist, kann ich es nicht wirklich glauben. Was ist da gerade passiert?! Kurzes Schütteln, denn ich muss zurück zur Gruppe. Warum sind sie mir eigentlich nicht gefolgt? Ich hatte mehrfach versucht Zeichen zu geben… Naja, kann man nichts machen. Ich musste bei meinen beiden Ausreißern ordentlich schwimmen und habe richtig viel Luft weg geschnauft, aber das hat sich gelohnt. Quality Time!!! Ich hatte meinen Auge-in-Auge-Moment mit einem der Hammerhaie. Es war als ob man in einen separaten Raum eintritt und alles ist voller Haie. Unbegreiflich. Zurück auf dem Boot merken mir alle meine Freude an, alle strahlen mit mir. Sie haben natürlich von meinem Vortagesdesaster gehört und freuen sich ganz herzlich mit meinem Erlebnis. Sensationell, dieses Mal war es wirklich ich, der voll in den Glückstopf gegriffen hat. Und mein gelblila Lollie mit Apfel-Pfirsich Geschmack ist ausgezeichnet.

Das Tauchen vor Shelly Beach – Bullenhai, Schwarzspitzen-Hochseehaie und eine Schule Hammerhaie – Erstes Bild von Daniel Brinckmann ©

Ich verlasse Shelly Beach mit sehr viel Wehmut, denn es hat alles super gepasst. Kym von der Tauchbasis war großartig. Die Tauchguides waren aufmerksam und haben bei der schlechten Sicht genau das richtige Gefühl für Kontrolle und dennoch eine lange Leine gehabt. Auch hier war der Kapitän klasse, er hat eine autoritäre Ausstrahlung, ist aber eigentlich ein echter Teddy. Wir mussten nie lange im Wasser warten, er war immer voll „auf unserer Höhe“. Dazu wird Shelly Beach dank dieser außergewöhnlichen Hammerhai-Begegnungen immer einen Platz in meinem Taucherherzen haben.

UMKOMAAS / ALIWAL SHOAL – „Baited Shark Dives“

Auf der anderen Seite freue ich mich auch wieder auf Umkomaas. Hier war die Crew genauso prima und so werde ich auch bei meiner Rückkehr

extrem herzlich empfangen. Ich lerne die südafrikanische Handschlag-Begrüßung kennen und sehe viele lachende Gesichter. Ein gutes Gefühl!

Am nächsten Morgen steht für mich noch ein besonderer Tauchgang an, und zwar ein so genannter Baited Shark Dive. Sprich, ein Tauchgang mit einem Köder. Ich habe solche Angebote schon überall in der Welt gesehen und auch mitgemacht. Mir ist bewusst, dass diese Tauchgänge ein zweischneidiges Schwert sind. Fakt ist aber, dass die Nachfrage bei uns im Büro immens groß ist. Viele Gäste wählen ihre Zielgebiete nach der Chance auf Großfisch aus und sind enttäuscht, wenn es nicht mit einer Sichtung klappt. Immer wenn ich solche Tauchgänge mitgemacht habe, waren alle Teilnehmer danach begeistert und hatten leuchtende Augen. Bei dieser Variante sind die Begegnungen mit Haien garantiert, was für viele Taucher definitiv seinen Reiz hat. In Südafrika stehen diese Tauchgänge an der Tagesordnung, es gibt sie überall und bei allen Tauchbasen. Von Kapstadt bis Durban. Es gibt sie für Taucher, für Nichttaucher in den Käfigen oder sogar für Taucher in Käfigen. Ich habe mit einem Tauchlehrer aus Umkomaas gesprochen und er meinte, es ist teilweise komisch. Wenn man Leute Angeln oder Fischen befragt, finden das alle ok und super, obwohl ja auch hier Köder verwendet werden. Er selber hat einmal gesehen, wie ein Vater seinen Sohn am Strand in einem abgetrennten, gesicherten Bereich hat schwimmen lassen, während er selbst drei Meter daneben geangelt hat, wo die Haie doch sogar bis an den Strand kommen. Eine Doppelmoral. Unterm Strich bleibt: eine knifflige Sache, wobei es für beide Seiten Argumente gibt. Fakt ist, diese Art von Tauchgängen werden weltweit angeboten und sind sehr beliebt. Auf den Bahamas beispielsweise gehören sie ja auch zum Standardprogramm. Und in Südafrika eben auch.

Ich bin bei einem dieser Baited Shark Dives dabei, denn nachdem die Wassertemperatur steigt, beginnt gerade die Tigerhaisaison. Tigerhaie kann man anscheinend kaum ohne solche Köder sehen, weil sie einfach zu scheu sind. Mit dem Köder allerdings hat man in Umkomaas durchaus öfter Sichtungen und das möchte ich mir gerne ansehen. Zwei Käfigtaucher haben wir sogar auch dabei, was das Ganze doppelt interessant macht. Ich bin gespannt wie das mit dem Käfig abläuft. Das Boot ist beladen mit drei großen Ködereimern, jeweils für unterschiedliche Tiefen. Einer ist bestimmt für die Oberfläche und damit für die Käfigtaucher, einer für den mittleren Bereich und damit für die Schwarzspitzen-Hochseehaie und einer ist für die tiefe Tiefe und damit für die Tigerhaie. Der Bereich in dem diese Tauchgänge durchgeführt werden, ist bekannt geworden, weil hier Fischer bereits in den 70er Jahren immer wieder Haie gesichtet haben. Womit wir wieder beim Thema wären, denn offensichtlich wurden die Haie durch Fischer an diesen Spot „gewöhnt“ und nicht durch die Taucher. Aber dies nur am Rande. Bereits fünf Minuten vor Erreichen des Tauchplatzes werden bereits Fischstücke ins Wasser geworfen, um die Haie anzulocken. Und das klappt. Sehr gut sogar, denn schon nach zwei bis drei Minuten scharen sich einige Haifischflossen rund um unser Boot herum. Gerade die Taucher, die hier zum ersten Mal an Bord sind, sind direkt komplett verzückt. Und die Käfigtaucher freuen sich, dass sie einen Käfig haben. Zwei Welten prallen da aufeinander. Als sich alle zur Rolle rückwärts ins Wasser fertig machen, prüfe ich lieber nochmal doppelt, was sich hinter mir so tut, denn ich will mir ja nicht gleich einen Hai mit einer dicken Beule am Kopf zum Feind machen. Bei so vielen Schwanzflossen bereits an der Oberfläche ist das ein durchaus komischer Moment. Es handelt sich wieder um Schwarzspitzen-Hochseehaie. Große Tanker. Sicher alle so zweieinhalb bis drei Meter groß. Einige sind ein wenig kleiner, aber das sind alles keine Katzenhaie, so viel steht fest. Die Köderboxen hängen wie an einer kurzen Perlenkette im Wasser und die Haie ziehen ihre Kreise um die Eimer. Beim wiederum ausführlichen Briefing wurde uns gesagt, dass wir nicht alleine tiefer gehen sollen, denn falls ein Tigerhai auftaucht, würde er sich fragen, warum ist da ein „Etwas“ alleine tiefer? Antwort: Das könnte eine Beute sein. Natürlich halte ich mich an diese Vorgabe und beobachte das Treiben der Haie rund um die ersten beiden Kübel. Die beiden Käfigtaucher sitzen wie vor dem Fernseher in ihrem schwimmenden Gitterboot. Unser Tauchguide kontrolliert gerade einen der Eimer, als mein Blick nach unten in den tiefen Bereich schweift. Dunkel da unten. Aber Moment mal?! Ist das ein Schwarzspitzen-Hochseehai? Falls ja, wäre er ganz schön groß. Der Hai kommt ein wenig nach oben und ich bin regelrecht erschrocken, was da für ein Lastwagen auf mich zukommt. Das ist doch ein Tigerhai?! Sollte ich als Erster aus der Gruppe einen Tigerhai entdeckt haben?! Entsprechend unsicher bin ich, aber auf den zweiten Blick ist es so was von offensichtlich. Die Tigerung ist ganz klar und gut zu erkennen, so dass es keinen Zweifel gibt. Demütig wie ich bin, warte ich auf den Guide, ich sollte ja nicht zu schnell nach unten gehen. Außerdem wollte ich die offizielle Bestätigung! Auf mein Zeichen hin, sagt seine Reaktion alles. Große Augen und ein dumpfer Brummschrei in den Atemregler. Dazu das Zeichen an mich für einen Tigerhai. Er will eine andere Taucherin holen, während ich den Tigerhai weiter ehrfürchtig inspiziere. Groß ist er. In meinen Augen wohlgemerkt. Ich schätze vier Meter. Massig. Und der Name ist wirklich gerechtfertigt. Das Tigermuster an der Seite ist schon sehr besonders. Ein unglaubliches Spektakel was sich hier abspielt. Als der Guide zurückkommt, verschwindet der Tigerhai in der Dunkelheit der Weite. Schade. Eine relativ kurze, aber dafür extrem aufregende Begegnung. So richtig gerechnet habe ich ja nicht damit, aber nachdem es auf dieser Reise bisher so gut gelaufen ist, ist das wirklich die Kirsche auf der Torte. Den Rest des Tauchgangs kann ich die Schwarzspitzen-Hochseehaie ganz entspannt begutachten. Meinen großen Haimoment hatte ich nämlich bereits. Und kurioserweise war ich wieder fast der einzige, der das Glück hatte. Alle anderen Taucher in der Gruppe sind dennoch begeistert von dem Tauchgang, das ist offensichtlich. Nach einer Stunde steigen wir alle wieder ins Boot und ich bin happy. Ganz ehrlich. Einen Tigerhai gesehen zu haben, ist schon ein echter Meilenstein in einer Taucherkarriere.

Tigerhaie – Bilder von Daniel Brinckmann ©

Südafrika war wirklich eine besondere Reise für mich. Zum einen natürlich wegen der viele Haie. Nirgends habe ich bisher so viele unterschiedliche Haie gesehen. Nicht auf Yap. Nicht in Ägypten. Und auch nicht in der Karibik. Dazu sind die Tauchgänge aufregend und spannend, weil man nicht wirklich weiß, was als nächstes passiert. Gerade ist einem noch kalt und man sieht vor lauter Blau kaum noch etwas und dann kommt ein Bullenhai um die Ecke. Und zum anderen ist das Tauchen in Südafrika anspruchsvoll, dabei aber trotzdem sehr gut machbar. In unseren Gruppen waren Taucher mit knapp über 50 Tauchgängen und diese hatten keine Probleme. Aber man muss es eben wissen.

Das Preis-Leistungs-Verhältnis in Südafrika ist extrem fair:

Zwei Wochen in Umkomaas kosten beispielsweise nur ab € 1.049,– pro Person zzgl. € 390,– Flugsteuern. Fünf Bootstauchgänge liegen bei € 170,–. Das ist schon ein tolles Angebot!

Das Hotel Tropical Beach ist mit € 1.290,– pro Person zzgl. € 390,– Flugsteuern nicht viel teurer. In Shelly Beach kosten fünf Tauchgänge € 240,–.

Wir hören immer, dass die Leute Großfische sehen wollen, in Südafrika gibt es sie. Das Wasser ist kalt und es zieht ordentlich, die Sicht ist nicht wirklich gut, aber genau diese Bedingungen mögen Haie.

Sensationelle Tauchziele sind meist weit weg und richtig teuer: Galapagos, Yap, Raja Ampat wären hier gute Beispiele. Durban ist kinderleicht zu erreichen und wie oben erwähnt nicht einmal teuer. Unterm Strich ist Südafrika ein maximal reizvolles Tauchziel, wenn man weiß, was man erwarten darf. Wer im Übrigen einen Zwischenstopp in Kapstadt einbauen möchte, kann dies problemlos machen. Wir können hier einige Kombinationen, auch mit Rundreisen, organisieren.

Südafrika, mal was ganz anderes!

MESSE BOOT 2017
Abschließend möchte ich natürlich nicht versäumen, noch auf die Messe boot in Düsseldorf hinzuweisen. Kaum zu glauben, dass schon wieder ein Jahr vergangen ist. Wir hatten großen Spaß letztes Jahr und freuen uns natürlich wie immer sehr, wenn Sie bei uns auf einen Cuba Libre vorbeischauen. Bringen Sie Ihre Urlaubserinnerungen, Geschichten und auch ein bisschen Neugier mit – wir freuen uns auf ein Wiedersehen! In Sachen Cuba Libre sind wir auf jeden Fall vorbereitet – nach letztem Jahr werden wir unseren Bestand nochmal aufstocken…

Die boot beginnt schon diesen Samstag, den 21. Januar und wird damit für eine Woche wieder zum Treffpunkt aller Taucher. Sie finden uns wie immer in Halle 3 am Stand C 74 – der gleiche Standplatz wie immerhin schon seit 10 Jahren! Dieses Jahr mit von der Partie: unsere Partner aus der Türkei (Kaş Diving), Griechenland (Dolphin Diving Center, Kalamitsi), aus Saba (Scouts Place), von den Philippinen (Coopers Beach Resort, Palawan) und aus Honduras (Tobri Divers, Roatan)!

Alle, die es in diesem Jahr nicht persönlich auf die Messe schaffen, können natürlich trotzdem von unseren zeitlich begrenzten Messeangeboten profitieren, die wir sowohl an unserem Stand als auch auf unserer Homepage für Sie präsentieren. Folgen Sie einfach diesem Link!

Und dann zu einem bewährten Klassiker, nämlich unserem alljährlichen Gewinnspiel. Wir verlosen hier 10 x 2 Eintrittskarten für die BOOT 2017 Die Antworten Nummer 5, 10, 25, 50, 75, 100, 125, 150, 175 und 200, die auf diesen Newsletter mit dem Stichwort „BOOT 2017“ antworten, gewinnen. Viel Glück!

Nautilus-Messeteam 2016

Ich würde mich riesig freuen, wenn wir uns in Düsseldorf wiedersehen!

Bis dahin, herzliche Grüße, alles Gute,

Ihr / Euer

Jan Thies

Geschäftsführer